31.08.2015

ZDF vermeldet: TV-Film über Beate Zschäpe abgedreht


Während die Constantin Film und Oliver Berben an einer Verfilmung des Buches Heimatschutz - Der Staat und die Mordserie des NSU von Stefan Aust und Dirk Laabs fürs Kino arbeiten und die ARD einen TV-Dreiteiler mit Anna Maria Mühe, Albrecht Schuch und Sebastian Urzendowsky als dem Terror-Trio des selbsternannten "Nationalsozialistischen Untergrunds" für 2016 in der Pipeline haben, gibt jetzt auch das ZDF bekannt: "Dreharbeiten für ZDF-Dokudrama über Beate Zschäpe sind abgeschlossen".



Die Pressemitteilung dazu:

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"Letzte Ausfahrt Jena" mit Lisa Wagner, Joachim Król und Axel Milberg
 
Kein Gerichtsverfahren bewegt die Öffentlichkeit derzeit mehr als der NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München. Für ein ZDF-Dokudrama über die aus Jena stammende Rechtsextremistin Beate Zschäpe, Arbeitstitel "Letzte Ausfahrt Jena", wurde am vergangenen Wochenende die letzte Einstellung gedreht. 
 
Neben Joachim Król als ermittelnder Kriminalhauptkommissar standen Axel Milberg in der Rolle des Richters Götzl, Christina Große als Kriminaloberkommissarin und Lisa Wagner als Beate Zschäpe vor der Kamera. Das Drehbuch stammt von Hannah und Raymond Ley. Grimme-Preisträger Ley führte auch Regie. 
 
Seit dem 6. Mai 2013 muss sich Zschäpe wegen mutmaßlicher Mittäterschaft an den grausamen Morden des Nationalsozialistischen Untergrunds vor Gericht verantworten. "Letzte Ausfahrt Jena" erzählt ihre Reise im Polizeikonvoi noch vor Prozessbeginn – von der Haftanstalt Köln nach Thüringen und zurück. Die Angeklagte sollte ihre kranke Großmutter und Mutter noch einmal besuchen können.  "Die Form des Dokudramas bietet die Möglichkeit, die von Ermittlern begleitete Reise der rätselhaften Person Beate Zschäpe von Köln nach Thüringen in szenischen Bildern zu erzählen und sie mit Momenten des späteren Prozesses zu kontrastieren", so Peter Arens, ZDF-Hauptredaktionsleiter Kultur, Geschichte und Wissenschaft. 

Die Dreharbeiten fanden an Originalmotiven entlang der Route Köln, Jena, Gera sowie in Berlin und Umgebung statt. Die Spielszenen des 90-minütigen Dokudramas stützen sich auf die Ergebnisse eines Teams von Rechercheuren, auf dokumentarisches Material sowie auf Protokolle von Prozessbeobachtern. Originalaufnahmen aus Archiven und Gespräche mit Angehörigen der Opfer in der Türkei ergänzen die szenischen Passagen. 
 
"Letzte Ausfahrt Jena" ist eine Produktion der AVE Gesellschaft für Fernsehproduktion in Koproduktion mit UFA FICTION im Auftrag des ZDF. Produzenten sind M. Walid Nakschbandi und Nico Hofmann. Die Redaktion haben Stefan Brauburger und Stefan Mausbach, ZDF-Zeitgeschichte. Ein Sendetermin steht noch nicht fest. 

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Der Titel LETZTE AUSFAHRT JENA assoziiert natürlich Letzte Ausfahrt Brooklyn (Last Exit to Brookly), Hubert Shelbys episodischen Skandal- und Kultroman von 1964 über die brutale Tristesse im desolaten Teil des New Yorker Stadtbezirks. Inwiefern mit der Anspielung allerdings eine Aussage über Jena impliziert ist, sei dahingehstellt.

Shelbys Buch verfilmte 1989 übrigens Uli Edel. Jener Regisseur, der mit Bernd Eichinger ein anderes deutsches Terrorismusthema (allerdings ein linkes) für die Constantin und nach einem Buch von Stephan Aust inszenierte: DER BAADER MEINHOF KOMPLEX.


zyw 

15.08.2015

Anti-IS-Kampagne: #NotAnotherBrother


Unter dem Hashtag-Titel #NotAnotherBrother ("Kein weiterer Bruder") hat die in London ansässige Quilliam Foundation mit einem YouTube-Video am 3. August eine Kampagne gegen die Indoktrination v.a. des IS und all jener, die ihm zuarbeiten, gestartet.

Zu sehen ist ein verschmutzter, geschundener Mujahid in einem Kellerloch, der in seiner Kleidung den Brief seines Bruders findet. Darin - die Worte werden als Voice-Over über die Bilder gelegt - bereut dieser, zur Radikalisierung des jungen Gotteskriegers beigetragen zu haben. "Don't let your words turn our brothers into weapons", so die finale Message-Einblendung. Den Clip mit eine Lauflänge von 1 Min. 41 gibt es auch in einer fast vierminütigen "extended" Fassung (s.u.).


Quilliam dazu: "These films, generously supported through a crowdfunding campaign by a cross-section of the general public, are examples of counter-narrative videos." Quilliam-Vorsitzender Maajid Nawaz hofft, damit andere Nutzer zu inspirieren, ihre eigenen Gegenerzählungen zu kreieren und im Netz weiterzuverbreiten. "Only by uniting, as a civil society, behind human rights values and against the social ill of Islamist extremism, can we truly defeat it."

Zuvor schon hatten hochrangige Google-Mitarbeiter dazu aufgerufen, die Online-Propaganda des Islamischen Staates zu bekämpfen - u.a. durch Gegen-"Botschaften" auf der hauseigenen Plattform YouTube.

Die Quilliam Foundation ist ein 2008 von Ed Husain, Maajid Nawaz und Rashad Zaman Ali gegründeter Think Tank, der sich speziell mit islamistischen Extremismus und mögliche Gegenmaßnahmen befasst. 

Auf Twitter kann man der Kampagne #NotAnotherBrother folgen unter twitter.com/notanotherbro.

Kurzfassung des #NotAnotherBrother-Videos (1'41):




Die Langfassung (3'45):


09.08.2015

Batman vs. Bin Laden: Comics gegen Extremismus


In der ZEIT-Ausgabe Nr. 32/2015 (S. 46) findet sich unter dem Titel "Zeichnen gegen den Terror" ein Artikel von Andrea Böhm, der den jordanischen Künstler Suleiman Bakhit und seine Arbeit vorstellt. Der Sohn eines ehemaligen Politikes erfuhr am eigenen Leib die Muslimfeindlichkeit in den USA nach dem 11. September 2001 und entschloss sich, gegen die Heldennarrative von Terroristen und Fundamentalisten in seiner Heimat anzugehen und inspirierende Alternativen Kindern an die Hand zu geben, die bis dahin höchsten Osama bin Laden oder Aiman al-Zawahiri als Heroen zu nennen wussten. Bakhits "Gegenpropaganda" (oder Prophylaxe) sind Sci-Fi- und Superhelden-Comics, die es so in der arabischen Welt noch nicht gibt und für die sich Bakhit nicht an Marvel, sondern an japanischen Mangas orientierte. Ergebnis ist u.a. die Reihe "Element Zero" über eine rein weibliche Anti-Terror-Truppe.

Lesenswert ist der Beitrag auch wegen des Verweises auf andere popkulturelle Versuche, im Nahen und Mittleren Osten, islamistischer Indoktrination und etwa frauenfeindlichen Weltbildern vorzubeugen, ohne die islamische Kultur für westliche Unterhaltungsformen und Denkarten aufzugeben.

Einen rund elfminütigen Vortrag von Suleiman Bakhit auf dem Oslo Freedom Forum aus dem Jahr 2014, auf dem er auch auf die grundlegende Bedeutung und Relevanz von Erzählungen für die Sinnstiftung und die "Krieg gegen den Islam"-Narrative von IS und Co. eingeht, finden Sie hier: