24.08.2014

Lesetipp: SPON-Beitrag "Blogger lokalisiert Terrorcamp via Internet"

In einem Spiegel-Online-Beitrag wird ausgeführt, wie der britische Blogger Eliot Higgins im Alleingang und mithilfe von Diensten wie Google Earth die genaue Position eines Trainingscamps der Gruppe "Islamischer Staat" in Mossul herausfinden konnte.

Dabei demonstriert Higgin, wie die Nutzung von Sozialen Medien für Extremisten wie die IS-Jihadisten nicht nur von Vorteil ist oder sein muss. Denn wie Higgins über u.a. Twitter verbreitete Bilder auswertet, nehmen sich auch Geheimdienste das derartig veröffentlichte Material zur Analyse vor. Wobei Higgins' Hilfsmittel selbst wiederum frei zugängliche Webservices waren - ein weiterer interessanter Aspekt in Sachen Terrorismus in Zeiten des Web 2.0.

zyw

23.08.2014

In eigener Sache: Bericht in der "Allegmeinen Zeitung" zu (einem Teil meiner) Arbeit

Hier ein Bericht zu meiner Person und Arbeit (Website der Allgemeinen Zeitung, erschienen in der Printausgabe am 23. August 2014). Kleine Korrektur zum Inhalt: Das Foley-Video ist auf Liveleaks nach wie vor zu finden.


Foto: Sascha Kopp

21.08.2014

Zum Video von James W. Foleys' Ermordung: Was sagt uns die "MESSAGE TO AMERICA"?


Ende 2012 wurde der freischaffende Fotoreporter James W. Foley in Syrien verschleppt. Am 19. August veröffentliche die „Terrormiliz“ Islamischer Staat (IS), vormals ISIS, ein Video, das seine Enthauptung als Reaktion – Drohung wie Vergeltung – auf die US-Luftangriffe im Irak zeigt. In verschiedenen Medien, etwas auf Spiegel Online, wurde zunächst von einer „behaupteten“ Hinrichtung gesprochen. Tatsächlich sieht man, wie der schwarzgekleidete, vermummte Jihadist, der neben dem knienden Gefangenen steht, das Messer ansetzt, zu schneiden beginnt – woraufhin das Bild zum fürchterlichen Ergebnis wechselt: dem abgetrennte Kopf auf dem Torso.

Es ist eine grausame Aktion, zugleich eine deutliche und (betrachtet man das Video, das schnell wieder von YouTube entfernt wurde) eine medial versiertes und schrecklich effektives. Eines mit klarer Kontextualisierung, Botschaft und Adressierung.  Zu Beginn des 4:40-Films wird in Arabisch und Englisch auf schwarzem Grund eingeblendet:

Obama authorizes military operations against the Islamic State effectively placing America upon a slippery slope towards a new war front against Muslims

Daraufhin ist die offizielle Ansprache (arabisch untertitelt) Barack Obamas zu sehen, in der er die Autorisierung der Einsätze im Irak bekannt gibt (00:14 bis 01:40). Bemerkenswert ist, dass die Verlautbarung des US-Präsidenten lange und ungeschnitten präsentiert wird – seine Worte, so das Kalkül der Propagandisten, sprechen für sich – keine Kommentierung, nur ein distanzierender Filter liegt über den Aufnahmen aus dem Weißen Haus, horizontale Linien und gelegentliche Videomaterialstörungen, ein „Rauschen“, das die Materialität der Bilder kennzeichnet, es als Pressemeldung auch ästhetisch herausstellt.

Dies ist ein interessanter Griff, weil auf der darstellungskonventionellen Höhe der Zeit – derartige Markierungen von Aufnahmen als eben solche finden sich auch in gängigen Spielfilmen.  Mehr noch: mit diesem Griff (und ohne eine Kommentierung etwa durch vermummte wütende Terroristen) vertraut IS bzw. sein Medienarm al-Furqān Media, dessen Signet zusammen mit der schwarzen IS-Flagge in der linken oberen Ecke des Bildes zu sehen ist,  ganz auf eine moderne rezeptionsästhetisch geschulte Zuschauerschaft bzw. deren „Lesekompetenz“, auf das Wissen von oder zumindest die Erfahrung mit verschiedenen Bildarten und -materialitäten bzw. entsprechender imitativer Stilismen.

Dann ein Schnitt auf grau verwaschene Bilder, die aus einem Kampfflugzeug die Bombardierung von Fahrzeugen bis hin zu einem weißen Lichtblitz zeigen, die „American Aggression against the Islamic State“ (so die Einblendung). Auch hier: US-Bildmaterial, das gegen Amerika selbst gerichtet wird (schwarz wird die eigentliche Publikationsquelleneinblendung abgedeckt).

Erst dann, nach einer bedächtigen Abblende erscheint der Titel des Videos in stilvoller Schriftart: „A MESSAGE TO AMERICA“, einzelne Buchstaben leuchten dezent auf. Auffallend hier: die arabische Übersetzung ist nur klein und abgedunkelt unter diesem Zug zu sehen. Eine Überblendung, und erst jetzt, zum Beginn der dritten Minute sind wir bei dem mit weiten Hemd und Hose (in Guantanamo-Orange) im Wüstensand knienden 40-jährigen Foley, dessen Hände offenbar auf dem Rücken zusammengebunden sind. Dabei trägt Foley ein Ansteckmikrofon. Neben ihm ein bis auf beige Halbstiefel und braunes Schulterhalfter schwarz gewandeter, vermummter Mann, der Henker, in lockerer, fast überlässiger Pose. Beide schauen sie in der Totalen direkt in die Kamera.

Foley wendet sich an seine Freunde, die Familie und Geliebten. Seine Stimme ist fest, während er sie dazu aufruft, sich gegen seine „real killers“ zu wenden: „die US-Regierung“. Eine transparente Texteinblendung identifiziert ihn mit Namen, keine Verhöhnung, keine abwertende Titulierung. Das Profilfoto eines US-Soldaten mit Sonnenbrille und Flecktarnjacke schiebt sich ins Bild (abgelöst von einem weiteren), die Videobotschaft zeigt Foley und seinen Bruder, der Mitglied der US-Air Force ist, in einem Split Screen (oder ist das Bild doch Foley selbst?). Wobei erst, nachdem das Foto verschwunden ist, Foley den Luftwaffensoldaten anspricht: „Think about what you are doing“. Er solle an die Leben denken, die er zerstöre, inklusive die seiner eigenen Familie. Think John.“  Und: „I died that day, John, when your colleagues dropped that bomb […]”. Dabei wechselt elegant, „unsichtbar“, die Perspektive mit einer sehr kurzen Überblendung - während des Satzes – in eine andere Position, „springt“ heran, zeigt die beiden Männer von rechts, wie sie nun nicht mehr uns direkt anschauen, sondern an uns vorbei – zwei Kameras wurden für die Aufnahmen parallel verwendet.

Foley erklärt, er würde gerne leben, seine Familie wiedersehen. But that ship has sailed“.

Minute 3:22, dieselbe Position ein kleine, kaum wahrnehmbarer Schnitt, kaschiert mit einer kurzen Überblendung, ein fast unmerklicher Jump-Cut: Dieselbe Position, dieselbe Perspektive, nur Foleys Kopfhaltung verändert sich leicht, zeigt an, dass innerhalb der Einstellung Zeit vergangen ist. Wurde seine letzte Botschaft gekürzt, hat er sich versprochen, sagte er etwas, das seinen Peinigern nicht passte?

Dann eine schnelle Schwarzauf- und abblende, wieder frontal aufgenommen: Foley, der zuvor zwar fast zu lächeln schien (dabei aber nur Mund und Augen gegen die blendende Sonne verzog), schaut angespannt, die Lippen fest aufeinandergepresst, sich wappnend gegen das, was kommt. Derweil sein Henker, ein Messer in der einen Hand, die andere auf der Schulter des Opfers, das Wort ergreift, mit brüchigem, aber guten, britisch gefärbten Englisch spricht. „This is James Wright Foley. A American citizen of your country“ (beim letzten Satz deutet er mit dem Messer in die Kamera). Wechsel zurück zu Kamera 2; Anklage gegen die direkt adressierte Regierung bzw. „your government“, Vorwürfe wegen der „air strikes“, die unter Muslimen zu Opfern führten. Kein Aufstand werde mehr bekämpft, „wir sind eine islamische Armee und ein Staat“, der von einer großen Zahl Muslime weltweit akzeptiert werde. Dann wird Osama direkt angesprochen: Jede seiner Aggression werde resultieren im „bloodshed of YOUR people.“ (Wieder ein deutendes Richten zur Kamera hin).

4:20: Ein kurzer Schnitt, der Vermummte hinter Foley, tritt heran, legt die linke Hand an dessen Kinn, hebt das Messer …

Wir sehen nicht viel von dem Mordakt, dennoch zuviel – schließlich: den abgetrennten, blutigen Kopf auf dem Rücken. Nach einer weiteren Auf- u. Abblende präsentiert der „Henker“ ein weiteres potenzielles Opfer, ebenfalls kurzgeschoren, ebenfalls in orangefarbener Kluft. „Steven Joel Sotloff“ erklärt die Einblendung – der vermutlich seit August 2013 vermisste TIME-Journalist. The life of this American citizen, Obama, depends on your next decision.”

Das Bild gefriert kurz, “grisselt” kurz, schnurrt zu einem Lichtpunkt zusammen wie bei einem alten Fernseher, wird “ausgeschaltet”. Hier, ganz zum Schluss, markiert IS die eigenen Aufnahmen als eben solche – und stellt sie (bzw. sich) damit auf dieselbe medial-kommunikative Stufe wie die Erklärung des US-Präsidenten zu Beginn (bzw. mit diesem). IS behauptet Augenhöhe mit der US-Regierung.
Die detaillierte Beschreibung des Videos, auch wenn sie ohne die Bilder und Töne selbst auskommen will: Entwürdigt sie das Opfer, James W. Foley, nicht ein weiteres Mal; verdoppelt sie nicht in gewisser Weise die terroristische Tat, in der Tötung und deren schockierende, erpresserische Medialisierung bzw. mediale Verbreitung zusammenfallen? Ja, vielleicht, und alle Reflexion, (Selbst-)Kritik und Distanzierung helfen da kaum.

Die genaue Betrachtung, gar Analyse aber ist relevant weil aufschlussreich, sei es, was die Argumentationsstruktur anbelangt, die verbal- oder die filmisch-rhetorischen Mittel. Nicht nur behauptend, sondern auch anschaulich, impliziert selbstevident wird über das Material der Presseerklärung und des Militäreinsatzes das jüngste US-Engagement im Irak als Aggression ausgewiesen, das mit Foleys Tod beantwortet, gerächt und möglichst für die Zukunft unterbunden werden soll.

Bemerkenswert, wie dabei die Worte von Präsident Obama ganz für sich stehen gelassen wurden, die die Flugangriffe als Schutzmaßnahme für US-Bürger und als humanitäre Operation bezeichnen, ohne unmittelbar Relativierung und sonstige direkte Gegenrede vonseiten der IS-Jihadisten. Auch ist die Adressierung sehr spezifisch – nicht die USA insgesamt werden verurteilt, sondern die Regierung und speziell Obama persönlich.

Was den großen Gestus der Terroristen freilich untergräbt und das Enthauptungs- und Erpressungsvideo in seinem archaischen moralisierenden Auge-um-Auge-Anspruch als schlichte, unmenschliche und zugleich höchst profane Charade entlarvt, ist der Umstand, dass IS zuvor von den USA für Foley mehrere Millionen Dollar als Lösegeldverlangt haben. (Die Frage, ob die USA darauf hätten eingehen sollen oder nicht, stellt sich natürlich, kann hier aber nicht verfolgt werden.)   

Beängstigend jedoch, dass die „Medienprofis“ des IS offensichtlich genau kalkulierten, wieviel der Grausamkeiten sie direkt abbilden (wollen/können) – und damit selbst Bewusstsein dafür demonstrieren, was die Barbarei des Enthauptens anbelangt, zumindest aus Sicht westlicher Augen und der Weltöffentlichkeit überhaupt. Dieses (vielleicht zynische) Eingeständnis potenziert nicht nur die kaltblütige Brutalität der Mordtat, sondern auch die kraftmeiernde Demonstration einer (hier als quasi „notwendig“ und „geboten“ geframten) Konsequenz auf Seiten der Täter als Verurteilende, Strafende (zu verstehen als Subkategorie jihadistischer Streiter).

Perfide emotional ist Foleys Ansprache an die Familie und seinen Bruder, die bei aller – ebenfalls schauerlicher – Wohlgesetztheit der Worte, welche ihm auf perverse Weise eine gewisse Würde belässt, gleichwohl nicht ihm direkt zuzuschreiben ist, sondern als Vorformulierung oder aber Manipulation seiner Entführer und schließlich Henker aufzufassen ist.

Von besonders Wirkung ist die Rolle von Foleys Bruder als Soldat, denn die Wahl Foleys als Opfer bekommt damit eine doppelte Bedeutung. Nicht nur allgemein und abstrakt wird er als Büßender für die „Untaten“ seiner Landleute ausgewählt: Was in Spielfilmen oftmals konstruiert wird, um Übertragenes konkret zu machen (etwa in Ken Loachs THE WIND THAT SHAKES THE BARLEY, in dem die Spaltung der irischen Befreiungsbewegung in den 1920ern ebenfalls an zwei Brüdern sinnbildlich und emotional eingängig, fast gleichnishaft exemplifiziert wird), ist hier „Wirklichkeit“: Foley stirbt für eine Bruder(mit)schuld, die besonders in jenen Regionen, in denen Stammes- und Familienbande ein noch weitaus größere Rolle spielen als es in Europa und Nordamerika gemeinhin heute der Fall ist, so symbolträchtig und eingängig sein mag.   

Eindringlich ist auch die Wendung, dass die Bombardierung Foleys (bereits) beendet hat, sein Todesurteil bedeutete. Das weist die Schuld nicht nur den USA für diese Hinrichtung zu, sondern erklärt letzteres für eine nachgerade unabweisbare Folge, entschuldigt seine Mörder, legitimiert sie gar und mehr noch: weißt sie aus als Aktanten einer Art von göttlichem Schicksal. Dies ist insofern interessant, als das religiöse Verweise und Anrufungen ansonsten dahingehend fehlen – Foleys „Hinrichtung“ ist ganz und gar säkular zu verstehen (bzw.: verständlich).  

Von besonderer, neuer Qualität ist schließlich das Video selbst; man mag es kaum sagen, aber es ist in höchstem Maße ästhetisch und hochwertig produziert, mit erkennbaren Ambitionen und merklichem Aufwand dahingehend. Es ist kein herkömmliches Statement, keine simple Dokumentation und Botschaft, wie man sie bislang vornehmlich fand, mit einer einzigen statischen Aufnahme in einem Kellerloch, vor dem die erbarmungswürdigen Opfer vor der Fahne der jeweiligen Gruppierung kniet und seinem Ende entgegensieht. A MESSAGE TO AMERICA ist als eigener mehraktiger Kurzfilm im aktuellen Stil von IS produziert; wie bei zeitgenössischen populären Filmen und TV-Serie bekommen wir eine Vorsequenz (Obamas Ansprache u. die Luftaufnahmen), ehe der Titel eingeblendet wird. Der Einsatz von zwei Kameras und eines Ansteckmikrofons, das Foleys Stimme klar und deutlich aufzeichnet, die Durchdramaturgisierung mit ihrem kombinatorischen abgestimmten Einsatz unterschiedlichen filmischen Materials, die wohlgestalteten, zurückgenommenen Inserts, die sorgfältigen Schnitte und Blenden, aber auch die Bild- und Farbgestaltung – Foley in orangefarbener Kleidung vor gelben Dünen und blauem Wüstenhimmel: Es ist diese Professionalität, gar Schönheit (eine, die das Video in seinen einzelnen Elementen und deren Zusammenspiel in den Bereich aktueller westlicher TV-Inhalte, deren stilistischer Vorgaben und ansprechenden Designs rückt), die das Video jenseits seines schrecklichen Inhalts so unerträglich und provozierend macht. Es ist ein Video, das formal- und rezeptionsästhetisch anspricht, das zum einen sein avisiertes westliches Publikum mit seinen Sehgewohnheiten und Erwartungen an Mediengestaltung auf der Höhe der Zeit abholt wie – auf der anderen Seite, die der Täter – von einem hohen Wissen und souveränen Handwerk nicht nur auf technischem Level zeugt. Der bis noch vor kurzer Zeit beobachtbare bisweilen schwülstige Ornamentalik, das selbstverliebte Spiel mit (Bewegt-)Bild und Toneffekten, Animationen und Grafiken, etwas, dem man schnell klischeehaft etwas „Oriental(istisch)es“ zuschrieb – das alles ist hier nicht zu finden. Auch das macht das Video derart unsäglich und besorgniserregend.

Schließlich bedeutet A MESSAGE TO AMERICA eine neuartige „Qualität“. Durchästhetisierte Filme und grauenvolle Aufnahmen fand man aus den „PR“-Werkstätten des IS vor allem in diesem Jahr bereits: abgeschlagene Köpfe auf einem Zaun in Rakka, der „Hauptstaat“ des nun ausgerufenen Kalifats, Massen- und Einzelexekutionen per Genickschuss, ausgestellte Leichen, bei denen ebenfalls schon intern selbstzensiert wurde, insofern man beispielsweise Teile des Körpers „blurrte“, um vermutlich etwa Verstümmelungen im Genitalbereich zu kaschieren. Diese Videos waren allerdings Dokumentationen von Kampfhandlungen, Säuberungsaktionen, Vergeltung und Bestrafung. In dem High-Value- und Erfolgsfilm KLIRRENDE SCHWERTER Teil (oder Version) 4 (SALIL AL-SAWARIM), der Mitte März veröffentlicht wurde, achten die Jihadisten darauf, die von ihnen Getöteten per Inserts, in Wort, Bild oder Schrift, u.a. qua „Foto-Beweise“, als legitime „Kriegsgegner“ bzw. „-verbrecher“ auszuweisen und die Gewalt gegen sie zu rechtfertigen, wenn nicht gar zu rationalisieren. Als solche sind die Bluttaten denn auch keine Inszenierung rein für die Kamera, wie es nun im Fall der Enthauptung Foleys der Fall ist. Während die Tötung von aufgespürten oder abgefangenen feindlichen Milizionäre und Kämpfern des irakischen Staates oft vor allem insofern, als Terror zu werten ist, als IS aus einer Machtpositionen heraus handelt, ist nun A MESSAGE TO AMERICA der Art nach als kommunikative Gewalt Terrorismus bzw. terroristisch dem strategischen, historischen und kalkulatorischen Charakter nach. Es widerspricht, bei aller Verteidigungsgeste nach außen (sprich: in Richtung USA) ein Stückweit dem aktuellen Bestreben, IS das Image eines konsolidierenden Staates (und damit als ordnend) zu verleihen. Foleys Enthauptung vor der Kamera – und möglich ist, dass dereinst auch Material durch dunkle Kanäle des Internets sickern wird, das die komplette, ungeschnittene Tat zeigen – ist so gesehen ein Rückfall in alte Zeiten, in jene des IS-Vorläufer-Gründervaters Abu Musab az-Zarqawi, da 2004 vor laufender Kamera dem US-Amerikaner, ebenfalls bereits in signalhafter orangefarbener Kluft, Nicholas Berg der Kopf abgetrennt wurde.

Nur eben, dass heute, zehn Jahre später, der Terrorismus medial in Sachen Gestaltungs- und Wirkungsbewusstsein und -willen dramatisch weiterentwickelt ist.


Bernd Zywietz